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Kinder entwickeln Sprache in ihrem eigenen Tempo. Manche beginnen früh zu sprechen, andere brauchen etwas länger. Entscheidend ist nicht ein einzelner Entwicklungsschritt, sondern die gesamte Entwicklung: Versteht das Kind Sprache? Kommuniziert es mit Blicken, Gesten und Lauten? Kommen regelmäßig neue Wörter und Fähigkeiten hinzu?

Eine Sprachentwicklungsverzögerung kann vorliegen, wenn ein Kind deutlich später oder langsamer als andere Kinder spricht. Von einer Sprachentwicklungsstörung spricht man, wenn die Entwicklung über längere Zeit deutlich vom altersgemäßen Verlauf abweicht. Eine zuverlässige Einschätzung ist nur durch eine fachliche Untersuchung möglich.

Wie entwickelt sich Sprache im frühen Kindesalter?

Die folgenden Angaben sind Orientierungspunkte. Die Entwicklung kann von Kind zu Kind unterschiedlich verlaufen.

  • Im ersten Lebenshalbjahr beginnen Babys meist, Laute auszuprobieren, zu gurren und zu lallen.
  • Im zweiten Lebenshalbjahr reagieren sie zunehmend auf Stimmen und vertraute Wörter. Sie probieren verschiedene Lautverbindungen aus und kommunizieren immer stärker über Laute, Blickkontakt und Gesten.
  • Gegen Ende des ersten Lebensjahres verstehen viele Kinder einfache Aufforderungen und verwenden erste Wörter oder eigene Wortformen.
  • Im zweiten Lebensjahr wächst der Wortschatz meist deutlich. Die ersten Zweiwortäußerungen entstehen, zum Beispiel „Mama da“ oder „mehr Saft“.

Spricht ein Kind am zweiten Geburtstag weniger als etwa 50 Wörter oder bildet noch keine Zweiwortäußerungen, kann dies ein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für die weitere Sprachentwicklung sein. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt. Eine frühzeitige Beratung kann jedoch sinnvoll sein.

Woran können Eltern eine Auffälligkeit erkennen?

Mögliche Hinweise sind:

  • Das Kind kommuniziert nur wenig mit Lauten, Blicken, Gesten oder Wörtern.
  • Es hat nur wenige Wörter und erweitert seinen Wortschatz kaum.
  • Es versteht einfache Aufforderungen oder Fragen nur schwer.
  • Es bildet kaum Sätze oder lässt häufig wichtige Wörter weg.
  • Es spricht sehr undeutlich und ist für vertraute Personen nur schwer verständlich.
  • Bereits erworbene sprachliche Fähigkeiten gehen wieder verloren.
  • Das Kind reagiert wenig auf Geräusche oder seinen Namen.

Auch das Hören sollte immer berücksichtigt werden. Eine Hörstörung kann die Sprachentwicklung beeinflussen und sollte bei entsprechenden Anzeichen ärztlich abgeklärt werden.

Welche Bereiche können betroffen sein?

Verzögerter Sprachbeginn

Manche Kinder beginnen später mit dem Sprechen oder entwickeln zunächst nur wenige Laute und Wörter. Dabei können das Sprachverständnis, die Kommunikation oder der aktive Wortschatz unterschiedlich stark betroffen sein.

Aussprache und Lautbildung

Bei einer Aussprachestörung werden einzelne Laute nicht korrekt gebildet oder verwendet. Ein Kind kann beispielsweise einen Laut noch nicht richtig aussprechen oder ihn in bestimmten Wörtern auslassen oder ersetzen.

Dabei wird häufig zwischen zwei Bereichen unterschieden:

  • Bei einer phonetischen Störung kann ein bestimmter Laut nicht korrekt gebildet werden.
  • Bei einer phonologischen Störung kann das Kind den Laut grundsätzlich bilden, verwendet ihn aber in bestimmten Wörtern oder Lautverbindungen nicht richtig.

Kinder erwerben die einzelnen Laute nicht alle gleichzeitig. Eine unklare Aussprache ist deshalb in bestimmten Altersstufen noch normal. Ob eine Auffälligkeit behandlungsbedürftig ist, hängt unter anderem vom Alter, vom Laut und von der Verständlichkeit des Kindes ab.

Eingeschränkter Wortschatz

Einige Kinder verwenden deutlich weniger Wörter als Gleichaltrige. Sie benennen Dinge beispielsweise mit allgemeinen Ausdrücken wie „das da“ oder verwenden ein Wort für mehrere Gegenstände. Häufig treten Schwierigkeiten beim Wortschatz gemeinsam mit Problemen bei der Aussprache oder beim Satzbau auf.

Schwierigkeiten mit Grammatik und Satzbau

Eine Auffälligkeit kann sich unter anderem darin zeigen, dass ein Kind:

  • Wörter oder Satzteile auslässt,
  • Wörter in ungewöhnlicher Reihenfolge verwendet,
  • Artikel verwechselt,
  • Verben nicht beugt,
  • Vergangenheits- oder Zukunftsformen nicht korrekt bildet.

Beispiele sind: „Papa Ball“, „Heute Kindergarten gehe ich“ oder „Ich gehen“.

Eingeschränktes Sprachverständnis

Manche Kinder haben Schwierigkeiten, die Bedeutung von Wörtern, Fragen oder Sätzen zu verstehen. Im Alltag bleibt dies manchmal unbemerkt, weil sie sich an Situationen, Gestik oder Gesichtsausdruck orientieren.

Mögliche Ursachen

Sprachliche Auffälligkeiten können unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise:

  • Hörstörungen,
  • organische oder neurologische Besonderheiten,
  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten,
  • genetische Faktoren,
  • allgemeine Entwicklungsbesonderheiten,
  • Schwierigkeiten bei der Verarbeitung sprachlicher Informationen.

Nicht immer lässt sich eine eindeutige Ursache feststellen. Wichtig ist deshalb eine ganzheitliche Betrachtung der Entwicklung – einschließlich Hören, Bewegung, Wahrnehmung, Spielverhalten, sozialer Entwicklung und emotionalem Wohlbefinden.

Mehrsprachigkeit ist keine Ursache für eine Sprachentwicklungsstörung

Mehrsprachig aufzuwachsen ist eine wertvolle Ressource und verursacht keine Sprachentwicklungsstörung. Kinder können mehrere Sprachen gleichzeitig oder nacheinander erwerben. Dabei kann der Wortschatz zunächst auf die verschiedenen Sprachen verteilt sein. Auch das Mischen von Sprachen ist im mehrsprachigen Spracherwerb nicht ungewöhnlich.

Eltern sollten mit ihrem Kind in der Sprache sprechen, in der sie sich sicher und natürlich fühlen. Entscheidend sind regelmäßige Gespräche, gemeinsames Spielen, Vorlesen und echte Begegnungen in allen Sprachen des Kindes.

Besondere Sprechauffälligkeiten

Näseln

Beim Näseln verändert sich der Klang der Stimme. Die Luft entweicht dabei stärker durch die Nase oder kann nicht ausreichend durch die Nase strömen. Ursachen können unter anderem ein starker Schnupfen, vergrößerte Rachenmandeln oder eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte sein.

Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten

Bei Kindern mit einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte kann die Sprachentwicklung durch die besonderen anatomischen Voraussetzungen beeinflusst werden. Eine frühzeitige und interdisziplinäre Begleitung durch Kinderärztinnen und Kinderärzte, HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzte, Kieferchirurgie, Kieferorthopädie und Logopädie ist daher wichtig.

Wie kann Logopädie helfen?

Am Anfang steht eine ausführliche Befunderhebung. Dabei betrachten wir unter anderem:

  • die Kommunikation und das Sprachverständnis,
  • den Wortschatz und den Satzbau,
  • die Aussprache,
  • die Stimme und den Sprechfluss,
  • das Hören und die allgemeine Entwicklung.

Bei jüngeren Kindern kann zunächst eine Elternberatung sinnvoll sein. Dabei erhalten Eltern alltagsnahe Anregungen, wie sie die Sprachentwicklung ihres Kindes unterstützen können.

Die Therapie selbst findet in der Regel spielerisch und kindgerecht statt. Sie orientiert sich an den Fähigkeiten und Bedürfnissen des Kindes. Ziel ist es, die Kommunikation zu erleichtern, sprachliche Fähigkeiten aufzubauen und das Kind in seiner persönlichen Entwicklung zu stärken. Logopädie wird in der Regel ärztlich verordnet; gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Behandlung bei entsprechender Verordnung grundsätzlich.

Wenn Sie sich Sorgen um die Sprachentwicklung Ihres Kindes machen, sprechen Sie uns gerne an. Wir beraten Sie persönlich und klären gemeinsam, ob eine logopädische Diagnostik oder eine Behandlung sinnvoll ist.

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