Erwachsene
Aphasie
Nach einem Schlaganfall oder einer Hirnverletzung können Sprechen, Verstehen, Lesen oder Schreiben plötzlich schwerfallen – die geistigen Fähigkeiten selbst bleiben davon unberührt. Wir erarbeiten individuelle Strategien für Wortfindung, Verständigung und Teilhabe am Alltag.
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung infolge einer Schädigung des Gehirns. Betroffen sein können das Sprechen, das Verstehen von Sprache, das Finden von Wörtern sowie das Lesen und Schreiben. Die geistigen Fähigkeiten eines Menschen sind dadurch nicht automatisch beeinträchtigt. Menschen mit Aphasie wissen meist genau, was sie sagen möchten, können es aber nicht wie gewohnt ausdrücken oder verstehen.
Zusätzlich können – abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung – beispielsweise Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsprobleme, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen auftreten. Diese Begleiterscheinungen sind nicht in jedem Fall Teil der Aphasie selbst.
Mögliche Ursachen
Aphasien entstehen durch eine Schädigung der für Sprache wichtigen Gehirnnetzwerke. Häufige Ursachen sind:
- Schlaganfälle,
- Schädel-Hirn-Verletzungen,
- Hirnblutungen,
- Tumorerkrankungen,
- entzündliche Erkrankungen des Gehirns,
- fortschreitende neurologische Erkrankungen.
Tritt eine Sprachstörung plötzlich auf, kann dies ein Zeichen für einen Schlaganfall sein. Bei plötzlich auftretenden Sprachproblemen, Lähmungen oder Sehstörungen sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.
Wie kann sich eine Aphasie zeigen?
Eine Aphasie kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Mögliche Anzeichen sind:
- Wörter fallen nicht ein oder werden durch andere Wörter ersetzt.
- Gesprochene Sprache wird nur teilweise verstanden.
- Sätze lassen sich nur schwer bilden.
- Wörter oder Laute werden vertauscht.
- Lesen und Schreiben sind beeinträchtigt.
- Gespräche werden anstrengend oder vermieden.
- Zahlen, Uhrzeiten oder komplexe Anweisungen bereiten Schwierigkeiten.
In der Fachliteratur werden unter anderem globale, expressive, rezeptive und amnestische Aphasien beschrieben. Diese Einteilung dient vor allem der Orientierung. In der Praxis treten häufig Mischformen auf, und die Ausprägung kann sich im Verlauf verändern.
Diagnostik
Zu Beginn der Behandlung erfolgt eine ausführliche sprachtherapeutische Untersuchung. Dabei werden unter anderem betrachtet:
- die Spontansprache,
- das Sprachverständnis,
- die Wortfindung,
- die Satzbildung,
- das Nachsprechen,
- Lesen und Schreiben,
- die Kommunikation im Alltag.
Dabei geht es nicht nur darum, Fehler zu erfassen. Ebenso wichtig ist, welche Fähigkeiten erhalten sind, welche Situationen besonders belastend sind und welche persönlichen Ziele die betroffene Person hat.
Sprachtherapeutische Behandlung
Auf Grundlage der Diagnostik wird ein individueller Therapieplan erstellt. Die Behandlung kann beispielsweise folgende Bereiche umfassen:
- Verbesserung des Sprachverständnisses,
- Wortfindung und Wortabruf,
- Laut- und Wortbildung,
- Satzbau und Grammatik,
- Lesen und Schreiben,
- unterstützende Kommunikation mit Gestik, Bildern oder technischen Hilfsmitteln,
- Verbesserung der Verständigung im Alltag.
Die Therapie kann als Einzel- oder Gruppentherapie stattfinden. Angehörige und andere wichtige Bezugspersonen werden auf Wunsch einbezogen. Sie lernen, wie Gespräche erleichtert und Missverständnisse gemeinsam geklärt werden können.
Hilfreich ist es, wenn Gesprächspartner:
- ausreichend Zeit lassen,
- nicht ungefragt Sätze beenden,
- langsam und klar sprechen, ohne die Stimme anzuheben,
- kurze und eindeutige Fragen stellen,
- wichtige Informationen gegebenenfalls aufschreiben oder zeigen,
- Verständnis rückmelden und bei Unklarheiten nachfragen,
- sich auf den Inhalt und nicht auf die sprachlichen Fehler konzentrieren.
Kommunikation ist bei Aphasie eine gemeinsame Aufgabe. Ziel ist nicht nur, einzelne Wörter wiederzufinden, sondern die selbstbestimmte Teilhabe am Familienleben, im Alltag und – wenn möglich – im Berufsleben zu unterstützen.
Die Dauer der Behandlung ist sehr unterschiedlich. Sie hängt unter anderem von der Ursache, dem Ausmaß der Aphasie, dem Verlauf und den persönlichen Zielen ab. Auch nach längerer Zeit können sich Fähigkeiten weiterentwickeln oder neue Strategien erlernt werden. Eine pauschale Therapiedauer lässt sich deshalb nicht festlegen.
Die sprachtherapeutische Behandlung erfolgt in der Regel nach ärztlicher Verordnung. Bei entsprechender Verordnung werden die Kosten grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Wenn Sie selbst von Aphasie betroffen sind oder einen Angehörigen unterstützen, beraten wir Sie gerne. Gemeinsam schauen wir, welche sprachtherapeutische Unterstützung und welche Kommunikationshilfen im Alltag sinnvoll sind.